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Hofmann, Gert
1996
Unknown
Dionysos Archemythos. Hölderlins transzendentale Poiesis
A. Francke Verlag
Tübingen, Basel
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Hölderlin, anti-classicism, idealism, anti-idealism, Dionysus, poetics, mythology
Die philosophische, ästhetische und poetische Renaissance der Dionysos-Mythologie zur Zeit der „romantischen“ Jahrhundertwende hat in Hölderlins Werk ihre vielleicht prägnantesten Spuren hinterlassen. Dabei handelt es sich bei Hölderlin weniger um ein motivlich materielles Interesse, das die eigene metaphorische Phantasie an der exzentrischen, häufig bizarren Bilderwelt der Dionysos-Mythologeme bereichert, sondern eher um eine strukturelle Sympathie, die sich an der Funktion des Dionysos bei der Genese der griechischen Mythologie und Kunst entzündet und die transzendentale Reflexion der eigenen poetischen Tätigkeit im kritischen Respekt der zeitgenössischen Philosophie forciert. In Dionysos findet Hölderlin das Paradigma des „kommenden Gottes“ - wobei das Attribut essentiell zu verstehen ist und auf die kategorische Ambivalenz des Gottes hinweist, der als „kommender“ gegenwärtig ist, die erratische Präsenz seines fremden Wesens, die ebenso massiv wie unfaßlich erscheint. Hölderlin entwickelt eine transzendental begründete Faszination für Dionysos als jenen Gott, der das Fremde im Eigenen reflektiert und damit bei Griechen wie ’Hesperiern’ „das Höchste der Kunst“ hervortreibt das die „nationell“ unterschiedlichen kulturellen Charakteristiken verbindet:
„Dies bestimmte ihre Popularität, ihre Art, fremde Naturen anzunehmen und sich ihnen mitzutheilen, darum haben sie ihr Eigentümlichindividuelles, das lebendig erscheint, sofern der höchste Verstand im griechischen Sinne Reflexionskraft ist (...); sie ist Zärtlichkeit, wie unsere Popularität.“
Als der essentiell fremde Gott wurde Dionysos zum Siegel auf die Wahrheit einer produktiven, „originellen“ Griechenrezeption, die sich von den zeitgenössischen Konzepten eines ästhetischen Klassizismus zusehends unterscheidet. Als der sterbliche Gott, der eine kategorische Ambivalenz von menschlicher Geburt und göttlichem Sterben figuriert, artikuliert er für Hölderlin die Zeitenwende zwischen Mythos und Moderne, den Schritt von der mythischen zur mysterischen Wahrheit, von der Affirmation des Vorfindlichen zur kritischen Initiation des Zukünftigen, von der Ekstase des Rhapsoden zur poietischen Exzentrizität. Dionysos verbindet Mythos und Poiesis, indem er sie kategorisch differenziert. In Dionysos ist die Arché des mythischen Prozesses selbst auf mythische Weise realisiert: Er ist der Gott der kulturellen - und mythischen - Initiation. Die mythische Selbstreferenz signalisiert die Endzeit des Mythos und inspiriert zugleich ein neues poietisches Selbstbewußtsein. Dionysos Archemythos wird für Hölderlin zum Paradigma einer transzendentalen Selbstreflexion der eigenen poietischen Spontaneität. Die poetischen Signaturen dieser Reflexion als Schritte einer fortschreitenden literarischen Selbstartikulation sollen hier zur Darstellung kommen.
3-7720-2159-X
http://www.academia.edu/165259/Dionysos_Archemythos._Holderlins_transzendentale_Poiesis_Tubingen_Basel_Francke_1996
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